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Projektleiter Klaus-Peter Henz
hat dazu einige Ideen entwickelt

VON SZ-REDAKTEUR VOLKER FUCHS

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Die Römer hinterließen ihre Spuren auch im Wareswald
zwischen Tholey und Oberthal. Foto: atb

Tholey/Oberthal. Die meisten Menschen lebten vom Handel. Der Vicus Wareswald an der Kreuzung von zwei Römerstraßen war ein Marktflecken. Rötel handelten die Menschen, wohl auch Eisen und natürlich Lebensmittel und Getreide. Das wurde in Gehöften der Umgebung angebaut. Wohlhabende Menschen gab es auch. Etwa 25 Hektar groß war die Siedlung. Die Zahl der Menschen, die hier lebten, lag im vierstelligen Bereich. Die Siedlung erlebte ihre Blütezeit im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus.
Das ist verkürzt der aktuelle Forschungsstand der Ausgrabungen im Wareswald zwischen Tholey und Oberthal. Seit 2001 graben hier Wissenschaftler der Terrex gGmbH, die im Landkreis die Spuren der Kelten und Römer

erforscht. Projektleiter ist Klaus-Peter Henz. Grabungsleiter im Wareswald sind Edith und Eric Glansdorp. 15 weitere Beschäftigte, die Ein-Euro-Jobs wahrnehmen, die Sozialpädagogin Tina Neu und der Praktikant Matthias Ackermann vervollständigen das Team, das über Winter im ersten Stock des ehemaligen Dovidat-Gebäudes in Hasborn sein Domizil aufgeschlagen hat. Ausgrabungsbilder und Info-Tafeln hängen hier im Flur an der Wand. Im Gang stehen Kisten mit Steinen, die Reste eines Pfeilergrabes, das im vergangenen Jahr entdeckt wurde, als der Parkplatz des Grabungsgelände angelegt werden sollte. Die Steine haben alle Bearbeitungsspuren. Matthias Ackermann, der sein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolviert, zeichnet die Steinreliefs maßstabgetreu ab.
Damit die Experten mehr darüber erfahren, wie das Grab ausgesehen hat. Einiges wissen die Forscher schon, erklärt Klaus-Peter Henz. Dass es sich um ein Pfeilergrabmal gehandelt hat. Die Umfriedung des Grabmales war zwölf Mal zwölf Meter groß, das Pfeilergrab stand genau in der Mitte. Ein Pinienzapfen krönte dieses. Insgesamt fand man Überreste von drei Grabmälern. Nach römischer Sitte standen sie an der Hauptstraße am Dorfausgang, dienten auch der Repräsentation. Was ein Hinweis darauf ist, dass im Wareswald wohlhabende Menschen lebten. Die meisten Funde im Wareswald sind aber nicht so groß und spektakulär wie dieses Grabstätte.
Einfache Tonscherben finden sich zuhauf. Sie werden in so genannten Kollektionen zusammengefasst. Besondere Stücke wie Randscherben, Schlösser, Nägel und Fibeln werden gezeichnet und fotografiert. Die Randscherben, erklärt Henz, sind besonders wichtig. Ihre Machart, ihre Form war damals der Mode unterworfen. So dass diese Scherben erzählen, wann die Teller und Tassen genutzt wurden. Ähnlich ist es mit Fibeln oder Gewandnadeln. Auch sie eignen sich gut zur Datierung. So wächst die Erkenntnis, dass der Wareswald im ersten und zweiten Jahrhundert seine Blütezeit erlebte.

           Steine zum Wiegen
Steingewichte, die in einem Keller entdeckt wurden und 100 römische Pfund wiegen (etwa 30 Kilo), wurden zum Wiegen von Waren genutzt. Ein deutlicher Hinweis auf einen römischen Marktflecken. Viele Rötestifte haben die Grabungen ans Tageslicht gebracht, ein wichtiges Handelsgut. Denn Rötel war nicht nur als Farbpigment und Zeichenstift wichtig, er ist Wasser abweisend und diente dazu, Holzschiffe abzudichten. Wohl auch Eisen wurde gehandelt, war doch der Eisenbedarf in römischer Zeit enorm. Schlacken und Öfen hat man gefunden, aber noch nicht weiter

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In Sandstein gehauene Relief-Teile gehören zu den römischen Funden im Wareswald bei Tholey. Die Ausgrabungen gehen weiter.                                  Foto: atb

untersucht, in der Nähe des Wareswaldes gibt es Erzkaulen.
Eine Römerstraße konnten die Wissenschaftler sicher nachweisen, nach der zweiten wird noch gesucht. Keine Hinweise gab es bisher darauf, dass der Vicus militärisch genutzt wurde. "Wir haben auch Fundschichten aus keltischer Zeit mit handgemachter Keramik", erzählt Henz. Selbst eine Gewandnadel und einige Münzen der Kelten wurden gefunden. Henz: "Am Platz hat eine keltische Siedlung gestanden." Deren Spuren aber mit der späteren römischen Bautätigkeit verschwunden sind. Denn die Römer bauten Häuser mit Kellern aus Stein, die Kelten kannten keine gemauerten Keller.Tholey/Oberthal. Wie könnte ein touristisches Konzept im römischen Vicus Wareswald aussehen? Dieser Frage ist Projektleiter Klaus-Peter Henz nachgegangen. Und hat einige Ideen entwickelt. Dies seien Visionen, darauf weist er im SZ-Gespräch ausdrücklich hin. Er zeige, was man machen könne, wenn Geld keine Rolle spiele, so Henz. Mit anderen Worten: Nicht alles Wünschenswerte kann wohl verwirklicht werden.
Idee eins ist der Wiederaufbau von Pfeilergräbern am ursprünglichen Standort, dem Parkplatz Wareswald Eine originalgetreue Rekonstruktion ist allerdings schwierig, zu wenig Steine sind erhalten. Man könne die Grabmäler aber mit modernen Materialien nachbauen, und die Abdrücke der Originalfunde einarbeiten. Wichtig sei, dass die Besucher sehen können, wie eine solche Grabstätte ausgehen hat. Die römische Straße, die am Pfeilergrabmal vorbei geführt hat, könnte ebenfalls freigelegt werden. Dieser Wiederaufbau lässt sich laut Henz am ehesten verwirklichen.
Idee zwei ist das gastronomische Angebot. Hier könnte im Bereich der Ausgrabungsstätte in "antikem Ambiente" ein Restaurant gebaut werden mit einem besonderen Angebot an römischen Getränken und Speisen. In einem der ausgegrabenen Keller könnten römisches Essen und Wein serviert werden.
Idee drei ist das Atrium-Haus. Darunter versteht Henz ein Gebäude im römischen Baustil mit glasüberdachtem Innenhof, Säulengang und vorgelagertem Platz. Dieses könnte verschiedenen Zwecken dienen, als Grabungsbüro, Aufenthalts- und Tagungsraum, für Veranstaltungen und Feste. Handwerkstechniken wie Töpfern, Schneidern, Schmuckherstellen könnten angeboten werden, ebenso Töpfern und Bronzeguss. Im Innenhof könnten Händler gallo-römische Produkte anbieten. Auf dem Vorplatz wären weitere Aktivitäten möglich wie etwa Bogenschießen.
Idee vier betrifft den Tunnelmund. Der neue Radweg von St. Wendel nach Tholey über die ehemalige Bahntrasse führt am Tholeyer Eisenbahntunnel entlang, der nicht mehr genutzt wird. Der Tunnelmund könnte als Ausstellungsraum genutzt werden und auf die Ausgrabung im Wareswald hinweisen, die Geschichte der Verkehrswege von der Antike bis heute darstellen, die Geschichte des Baus der Eisenbahnlinie und des Tunnels.
Wichtig ist für Henz, dass man Prioritäten festlegt und zunächst die Infrastruktur ausbaut. Dazu zählt der Parkplatz Wareswald, die Anbindung an den neuen Radweg, die Versorgung mit Wasser und Strom. All dies ist in Arbeit. Zudem soll das Infotafel-System ausgebaut werden. vf

Auf einen Blick

Sobald es das Wetter zulässt, beginnen in den kommenden Tagen die Arbeiten wieder im Wareswald selbst. Der Witterungsschutz aus Stroh und Planen wird entfernt. Im Bereich des Pfeilergrabmales sollen dieses Jahr die Grabungen abgeschlossen werden. Die Archäologen werden darüber hinaus weiter am Südhang graben.

Und natürlich können auch in diesem Jahr Hobbyforscher im Wareswald mitarbeiten. Bis jetzt haben sich laut Henz mehr als ein Dutzend Schulklassen für Mitmach-Angebote gemeldet. Interessenten können unter Telefon (06853) 501351 Kontakt aufnehmen. vf

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Wapoberthal

Quelle: SZ 18.03.06