

Heizkessel saust nach Theley...
Seifenkistenrennen in Selbach/Nahe...
Tollkühne Piloten haben Selbach unsicher gemacht. Zum sechsten Mal rasten 30 Teilnehmer den Mannelbachschuss hinunter und suchten nicht nur den schnellsten, sondern auch den kreativsten Seifenkisten-Erbauer.


Nicht nur die Seifenkiste von Paul Wenz ist originell, sondern auch sein Helm. Fotos: atb
Dreiräder wie das von Alexander Jung gelten als besonders schnell.
- Von Volker Peter -
Selbach/Nahe "Papa guck mal die Tiegerente." Fasziniert schaut eine kleine Rennbesucherin zu, wie die Ente aus Janoschs Geschichten vom kleinen Tiger und kleinen Bär den Mannelbachschuss hinunterrast. Zum sechsten Mal ist in Selbach das Seifenkistenrennen der "Eggfies" angesagt. Der Hobbyfußball-Club hat den Feldwirtschaftsweg zwischen Selbach und Theley-Johann-Adams-Mühle zur Rennstrecke umfunktioniert.
Dicke Strohballen sollen allzu unvorsichtige Seifenkistenfahrer vor Blessuren bewahren. Stabile Absperrgitter halten die Fans von ihren Idolen in den schnellen Kisten ab. Leider will der Regen nicht aufhören. So gehen in Selbach nur die Hartgesottenen an den Start. Einige haben vor dem Regen Angst, trotzdem steht ein über 30 Teilnehmer starkes Feld hinter der Eggfies-Rampe, dem so genannte Point of no return - Punkt ohne Rückkehr.
Weniger Fans wegen Regen
Auch das Publikum ist merklich dünner als in den vergangenen Rennen. Die Zweitausend-Besucher-Marke wird nicht geknackt. "Wir haben mal durchgezählt, 750 bis 800 Zuschauer waren es dann doch", berichtet Christoph Schröder von den Eggfies. Besonders freut ihn, dass aus dem
Nachbarort Theley so viele dem Selbacher Seifenkistenrennen die Stange halten. Eine ganze Prozession Theleyer Rennfans zieht sich durch das Mannelbachtal. Schröder: "Kein Wunder, es sind ja auch einige Starter aus Theley mit von der Partie."
Der Fantasie der Seifenkistenkonstrukteure ist wieder mal keine Grenze gesetzt, nur das technisch machbare ist für das Kistenrennen der Eggfies gut genug. Die Tiegerente ist somit in bester Gesellschaft: Günter Bernd hat die Ein-Mann-Version eines Miniatur Jägermeister-Trucks ins Rennen geschickt, einen ganzen Seat Marbella hat Michael Meß auf Seifenkistenformat zusammengestaucht "Was der wohl mit Fahrer wiegt? 500 Kilo?", lästert Streckensprecher Mathias Scholl.
Ein Boot auf der Strecke
Doch so richtig gewaltig und spektakulär zeigt sich Dieter Leonhardt aus Heimbach: Er hatte wohl im Keller gekramt, war mit einem alten Heizkessel fündig geworden, hatte diesen etwas modifiziert - fertig war die wuchtigste Seifenkiste des Rennens. In einem Boot schippert Stephan Maier den Mannelbachschuss hinunter. "Queen Mary III" hat er die Nuss-Schale genannt. Auch andere sind schon beim Finden der Namen ihrer Seifenkiste kreativ. "Alter-Sack-Karre", hat Bernd Veit seinen Renner genannt. "Ein Minimalist", kommentiert Scholl.
Wo die Seifenkistenbauer etwas Spiel in der Lenkung gelassen haben, da geht's in sanftem Schwung wie auf einer Skipiste den Schuss hinunter: "Die Kiste schlingert was das Zeug hält", kündet der Streckensprecher Michael Dewes und Mathias Gessner an. Mit solchen Kisten ist kein Geschwindigkeitsrekord zu fahren. Den machen die Erbauer von dreiradähnlichen Gefährten unter sich aus. Vor zwei Jahren war das Rennteam der Karlsbergjugend aus Theley auf ihrem Dreirad Sieger geworden. Nun empfehlen sich die Theleyer bereits beim ersten Lauf mit einer Zeit von 30,5 Sekunden für einen der vorderen Plätze.
Auch der Zweitplatzierte des vergangenen Rennens, die Gebrüder Thomas und Jochen Scherer aus Selbach wollen es wieder wissen, den Titel endlich mal an die Nahequelle holen. Sie sind aber im ersten Lauf etwas langsamer: 30,75. Dicht dahinter Uwe Wilhelm 31,08 Sekunden Marc Pontius 31,31 Sekunden und Edwin Rausch mit 31,34 Sekunden. Der zweite und der dritte Lauf ergeben dann nicht viel Neues. Die alten Favoriten verteidigen ihre Plätze eins und zwei. Platz drei geht an Marc Pontius aus Heimbach.
Auf einen Blick
Geschwindigkeitswertung: 1.Rennteam Karlsbergjugend Theley, 2. Thomas und Jochen Scherer aus Selbach, 3. Marc Pontius aus Heimbach.
Kreativitätswettbewerb: 1.Bernd Günter aus Selbach mit seinem Jägermeister-Truck. 2. Antonius Maier aus Selbach mit der rasenden Tigerente. 3. Dieter Leonhardt aus Heimbach mit dem heißen Heizkessel.
Quelle: SZ vom 31.08.04